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Gedankenlyrik

Sockenparade

Die Wäsche gemacht,
alle Socken von der Leine eingesackt
und sie zu einem Haufen zusammengebracht.
Man bekommt sie schon sortiert, wäre doch gelacht.

Doch dann stellt sich heraus,
obwohl alle schwarz sind, sehen sie nicht gleich aus.
Ist es die Waschmaschine, die sie zu Singles macht?
Den Paaren den Garaus macht?

Am Innenbund erkenne ich sie, am Sockenrand.
Sie sind vom gleichen Farbband.
Hellgrün gehört zu Hellgrün.
Dunkelgrün gehört zu Dunkelgrün.

Doch plötzlich finde ich zwei zu denen der Partner fehlt,
Die Frage ist: welcher Partner, welchen wählt?!
Weißgrau und Dunkelblau.
Niemand, außer ich, interessiert sich für sie die Sau!

Verzweifelt lege ich sie zusammen.
Manchmal gehören doch auch unterschiedliche zusammen.
Mir gehen die Ideen aus.
Von außen sehen sie ohnehin alle gleich aus.

Also lege ich den schwarzen Socken mit dem weißgrauen Innenband
zu dem Socken mit dem dunkelblauen Innenband -
und denke zugleich an den weißgrauen Vollmond,
der im Spiegel der dunkelblauen Havel wohnt.

Auch unterschiedliche Paare gehören zusammen,
machen das Leben erst spannend,
denn kompatibel scheint,
was nicht kompatibel ist.

geschrieben von: Sara Leni Radzio

Ideenpuzzle

Es schwirrt der Kopf voll neuer Ideen,
sie fallen vom Himmel wie Neuschnee.
Wohin nun gehen?
Von der Havel an die Spree?

Oder einfach zuhause bleiben?
Mit einer Tasse Tee?

Vielleicht liegt unter dem Neuschnee unentdeckter Glücksklee?

Auf dem Tisch liegt das Ideenpuzzle,
füge es zusammen und wurzle,
wurzle in deiner Schöpfung,
bewahre jedes Teil vor der Einstampfung.

Denn zusammengeführt,
ergeben deine Ideen Sinn.
Es gibt keinen der das Ergebnis vorführt,
deshalb komme selbst dahin.

geschrieben von: Sara Leni Radzio

Wolkengebilde

Ich schaue in die Wolken
und entziffere Worte von Büttenpapier. 
Die aus dem Füller wollten.
Geschriebene, kunstvolle Kür.

Bauschig, flauschig, 
inhaltsvoll, gefühlvoll, 
rauchig, feinmaschig, 
sinnvoll, gehaltvoll. 

Ich schaue in die Wolken,
sie lassen sich treiben mit dem Wind,
wie formbar und wandelbar sie sind.
Phantastisch, merkt auch das Kind.
Welche Gestalt nehmen sie an,
weiß man tatsächlich, wie sie sind? 

Nein, sie sind unbestimmbar! 
Mal dunkel, mal hell, 
mal leicht, mal schnell, 
so wie der Mensch,
unbestimmbar, wandelbar.

geschrieben von: Sara Leni Radzio

Regentropfen

Reinheit, Klarheit, Farblosigkeit,
kalt tropfst du aufs Gesicht,
entfernst Schmutz mit Ausgiebigkeit,
perlst auf Glas, trübst die Sicht.

Totes ist glanzvoll, von dir benetzt.
Lebendiges wach, von dir geweckt.
Ohne Regenschirm wirken die Leute gehetzt.
Viele sind in Häusern versteckt.

Oh, du Regentropfen!
Es ist Zeit, alle Löcher zu stopfen,
du fällst vom Himmel auf unsere Welt,
im Süden wird oft von dir erzählt.

Du bringst Leben,
du bist Segen,
du tanzt ganz polygam,
mit Braut und Bräutigam.

geschrieben von: Sara Leni Radzio

Mosaik des Lebens

Mosaike setzt die Zeit,
Mosaike, die verschmelzen,
in schöner Verwobenheit,
im ständigen Umwelzen.

Allem liegt eine Logik bei,
formt sich immer wieder neu,
in unterschiedlichen Strukturen,
in harten und weichen Konturen.

Wir bestaunen was wir wollen.
Mosaike, die auf den Boden rollen.
Bunte und farblose Steine,
keine sind alleine.

geschrieben von: Sara Leni Radzio

Die Schönheit des Wassers

Eiszapfen an Bänken,
und dennoch möchte ich nicht umlenken,
lass mich von der Schönheit inspirieren,
werde den ganzen Park abspazieren.

Irgendwann werden die Eisschönheiten wieder zu Wasser,
feste, zu flüssigen Kostbarkeiten,
die Natur braucht keinen Aufpasser.

Sie richtet, ordnet, bestellt alles von selbst,
bewahrt sich selbst,
du und ich sind Teil des Kreislaufs,
nehmen Teil am Verlauf .

geschrieben von: Sara Leni Radzio

Licht und Schatten

Ich entzündete den Kamin gegen die russische Kälte,
malte Lilien bis sich das Blatt wellte.

Eisige Schatten und warmes Licht,
es zischt und spricht:

„Wir sind in ständiger Bewegung,
zusammen und niemals getrennt,
in uns sieht man des Lebens Regung,
ohne einander wären wir nicht existent.

Drum vergesse im Licht nicht den Schatten,
im Schatten nicht das Licht.
Du siehst es zum Beispiel auf Wellpappen.
Egal, welche Farbe du zusammenmischst."

geschrieben von: Sara Leni Radzio

Sonne vs. Geist

Die Sonne hat die Kraft,
uns Orte sehen zu lassen,
die wir nie gesehen haben.

Sie hat die Kraft,

es hell werden zu lassen,
Verbindungen zu schaffen.
uns Wissen zu geben,
und es uns gleichermaßen wieder zu nehmen.

Denn sie verbrennt und zerstört auch,
nur unsere Vorstellungskraft vergeht nicht im Rauch,
sie leuchtet heller als die Sonne,
nichts vergeht im Geist, was da hineinkomme.

geschrieben von: Sara Leni Radzio

Das Curryblatt

Ein Curryblatt schwebt in den Ganges,
ein rundes und langes.
Mit feiner Gewürz- und Zitrusnote,
sieht es viele Orte und Boote.

Alles schwimmt vorbei,
so viele Leben, auf so vielen Wegen.
Und ist das Daumenkino vorbei,
sinkt es tief wie Blei.

Der Tod setzt es dem Schlamm des Grundes bei.
Es ist frei,
kann wählen,
unter all den alten und neuen Seelen.

geschrieben von: Sara Leni Radzio

Das Chamäleon

Ein Chamäleon,
wollte durch Zeit und Raum,
geboren im Pantheon,
hing es am Kleid der Venus, am Saum.

Sie verloren sich
mit dem Eindringen des Weltlichen.
Das Chamäleon wich
dem Heimischen.

Und so irrte es umher.
Es ging durch Gassen, zwischen Menschen, durch Generationen.
Es konnte überall und in jeder Zeit wohnen.
Es ging gerade und quer.

Es nahm unterschiedliche Farben an.
Die Müdigkeit sah man ihm an.
Doch mit der Zeit wurde es weise.
Es war den Farbwechsel leide.

So entschied es sich, durchsichtig zu werden
wie die Liebe, der Raum, die Zeit,
versteckt vor Bösewichten und deren Schergen,
so wurde das Chamäleon groß und flächenmäßig weit.

Neues Jahr, hin oder her.
Es war mehr als eine Wolke.
Mehr als ein Meer.
Es war nichts und alles. Einfach nur das von Gott Gewollte.

geschrieben von: Sara Leni Radzio (für The_Canary_One)

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