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Glaubenslyrik 

Erblühendes Paradies

Das Paradies liegt in der Vorstellung,
die Schönheit lebt in der Gestaltung.
Ein jeder schafft sich stets sein eigenes.
Wer wünscht, dem wird es gar ein goldenes.

Es reifen süße Früchte an den Bäumen,
für jeden schmackhaft, wie wir es erträumen.
Frische Bäche, letzte Lehrpfade,
endlose Spaziergänge an der Promenade.

Und immerwährendes Licht, das jede Wolke durchbricht,
empfängt uns umarmend in jedem Körper,
in jedem Raum, herzerwärmend.

geschrieben von: Sara Leni Radzio

Der dunkle Engel

Der dunkle Engel unterrichtet grausames Zeug,
es ist das kleine Licht, das er beäugt,
bis es verlischt und dunkel wird,
und es ihn nicht mehr stört.

Daher kleines Licht, erlösche nicht!
Kleines Licht, sei stark und schlafe nicht,
kleines Licht, widerstehe,
kleines Licht, wehe.

Bleib stets bei scharfem Verstand,
wenn man dir tief ins Herz sticht.
Bleib stets bei scharfem Verstand,
wenn es in Qualen zu dir spricht.

Nur schwache Seelen werden gebrochen.
Kommt er zu dir, sei standhaft und wehrhaft!
Er will deine Wahrheit ins Gegenteil kehren –
dich zum Bösen bekehren.

Daher kleines Licht, erlösche nicht!
Kleines Licht, sei stark und schlafe nicht,
kleines Licht, widerstehe,
kleines Licht, wehe.

Begib dich auf eine Reise zu dir selbst.
Wo hast du Liebe im Leben erfahren?
Reflektiere, bevor du die falsche Entscheidung fällst,
philosophiere, studiere und denk an die Gefahren.

Sei vernünftig, kleines Licht, und erlösche nicht.
Kleines Licht, sei stark und schlafe nicht,
kleines Licht, widerstehe,
kleines Licht, wehe.

geschrieben von: Sara Leni Radzio

Botschaft im Sommerwind

Eine weiße Feder tanzt vom Himmel nieder,
sie gleitet sanft auf die geöffnete Hand.
Als Himmelsbotschaft, die das Herz versteht,
während ein lauer Wind zum Konvent weht.

Weich und leicht in diesem Augenblick,
teilt uns die Feder ihre Botschaft mit:
Engel bewachen uns auf Schritt und Tritt –
voller Schutz und zum Glück.

geschrieben von Sara Leni Radzio

Der heilige Martinius

Trostlosigkeit übermannte den Bettler an der Stadtmauer.
Die Worte „Fürsorge" und „Mitmenschlichkeit" erfüllten ihn mit großer Trauer.

Der kalte Nebel umschloss die alte Ringmauer.
Unbeirrt ging es weiter, Schritt für Schritt,
das Spiel der Welt wurde rauer.
Keiner war sicher vor dem Frost,
weder König noch Bauer.

Die nasse, klamme Kälte kroch dicht an seine Haut,
durch Lumpenschichten und die Mütze auf dem Haupt.
Das Klopfen seines Herzens wurde bedrohlich laut,
zuerst wurden die Hände, dann die Füße taub.

Stechende Nadelstiche.
Waren die Priester noch christliche?
War das Glockengeläut schon das winterliche?Was gäb’ er drum, wenn die hoffnungslose Eiseskälte wiche!

Sein Blick wurde starr im eisigen Wind.
Die Welt um ihn her war ein einziges Wirrwarr.
Aquilo, der Gott des Nordens, nahm ihm alles und bestimmt.
Er war sich nicht mehr sicher: Gab es das Christkind?

In den letzten Atemzügen hört' er ein Pferd herbeitrappen,
und vor seinen Augen erglänzte das römische Wappen.
Ein strahlendes Schwerterblitzen, ein kurzer Laut, ein Schlitzen.
Wer sitzt nun im Himmel auf den göttlichen Sitzen?
Die Hoffnung und Martinius' Herz ließen ihn wie durch ein Wunder fast schwitzen.

Ein halber Mantel aus wärmendem, rotem Samt, von plötzlichem Schutz war er übermannt.

Heruntergekommen von seinem stolzen Ross,
war der Mann, der Martinius hieß,
ein königlicher Krieger, der sich zu guten Taten entschloss –
stark und furchtlos.

geschrieben von: Sara Leni Radzio

Der erste Schnee

Der erste Schnee in diesem Jahr,
die Weihnachtsmärkte sind bald da.
Er bringt uns in ein tiefes Sinnen
und deckt die Farben von den Zinnen.

Er hüllt das stille Kloster ein,
es glänzt im Nu im weißen Schein.
Der Drache schläft im weißen Bett,
als ob er eine Decke hätt'.

Die Taube fliegt aufs Pagodendach,
und spürt im Innern stille Kraft.
Und während draußen alles friert,
sind jene Mönche ganz zentriert.

Sie suchen Frieden und Genügsamkeit,
bewahren die Stille der Weihnachtszeit.
Verschlossen hinter Klostertüren,
lässt sich das Nirwana fast spüren.

Der Himmel steht auch uns zur Seit‘,
folgen wir ihrer Achtsamkeit.
Zündet im Dunkeln eine Kerze an,
lasst diese Stille auch an euch ran.

Und lächelt still in euch hinein,
lasst einfach Liebe in euch sein.

geschrieben von: Sara Leni Radzio

Weihnachten unter Palmen

Tausche Dunkelheit gegen Sonnenlicht,
weiße Kälte gegen ferne Strände.
Ob es mir dann fehlt, das vertraute Stubenlicht,
wenn ich mich von der alten Tradition etwas abwende?

Ist es die gleiche Vorweihnacht' im Herzen?
Oder muss ich etwas Stimmung verschmerzen?
Noch schnell im Fernsehen Sissi schauen,
noch schnell daheim die Krippe aufbauen.

Alles sollte vorbereitet sein, wenn ich wiederkomm’,
im Süden, genau wie im Norden.
Alles sollte geschmückt sein, wenn ich wiederkomm’,
werde mir bis dahin Aphrodite borgen.

Ach, wie werde ich das Krippenspiel vermissen,
vor all den mediterranen Kulissen!
Oder finde ich es genau dort wieder?
Denn vom Festland kamen doch die weihnachtlichen Lieder.

geschrieben von: Sara Leni Radzio

Hinauf zum Kurion

Am Abend kämpft sich die Sonne durch die Wolken,
dennoch gilt es, sich heute warm zu walken.
Hinauf führt der Weg zum alten Kourion,
ein leiser Gruß gilt der Tochter Zion.

Ein antikes Amphitheater direkt am Meer,
man wandelt auf altgriechischen Pfaden umher.
Zu viele Fotos werden nicht geschossen,
die Emotionen werden im Stillen genossen.

Ich betrachte den weiten, orangenen Himmel,
höre im Geiste das Gladiatorengetrommel.
Und mit der Ehrfurcht vor dieser Höhe und Weite,
sehe ich eine Linie, die ich niemals überschreite.

Unser Wissen auf dieser Erde ist begrenzt,
wieviel Zeit und Mühe du auch verschenkst.
Vertraue dem Licht und nimm es in die Hand,
und geh langsam mit ihm durch das weite Land.

geschrieben von: Sara Leni Radzio

Die Facetten des Lichts

Das Licht hat viele Facetten,
in Dörfern und in Städten.
Es malt immer wieder ein neues Stimmungsbild,
das hell aus der Tiefe quillt.

Ist es um dich her dunkel,
dann suche nach dem hellsten Punkt.
Sei selbst ein Stern und funkel
zu jeder Lebensstund’.

Und schon bricht er auf, der Himmel,
nach einem schweren Regenschauer.
Licht unterliegt deiner eigenen Formel,
die dunklen Wolken haben keine Dauer.

geschrieben von: Sara Leni Radzio

Gaben

In einer Sonntagspredigt
wird heute viel gewürdigt:
Der Geist, das Leben, all die Gaben.
Man hört die Seelen still lobsagen.

Dann fällt ein Wort von Normalität.
Hab’ ich mich hier etwa verzählt?
Ist nicht ein jeder Mensch von Gott erwählt?
Wurde ein Goethe damals nicht mitgezählt?

Niemand auf Erden ist normal.
Du nicht, er nicht, sie nicht, wir nicht, sie nicht, ihr nicht – und auch ich nicht.
Wir alle sind von Natur genial,
wir alle leuchten in Gottes Licht.

Wir müssen dieses Licht nur zulassen,
dürfen von unseren Interessen niemals ablassen.
Wir können so tief wie Herr Goethe graben,
und uns mutig immer weiter vorwagen.

In der Dunkelheit entsteht das helle Licht,
was uns Herr Goethe mit der Aufklärung auftischt.
Aus diesem Lichte erwachsen die Gaben,
sie leuchten in völlig verschiedenen Richtungen und Farben.

geschrieben von: Sara Leni Radzio (für Thomas M.)

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