
Glaubenslyrik

Kleines Licht wehe
Der dunkle Engel unterrichtet grausames Zeug,
es ist das kleine Licht, das er beäugt,
bis es sich der Dunkelheit beugt,
und es für immer bereut.
Kleines Licht erlösche nicht,
kleines Licht sei stark und schlafe nicht,
kleines Licht widerstehe,
kleines Licht wehe.
Bleib bei scharfem Verstand,
wenn man dir ins Herz sticht,
bleib bei scharfem Verstand,
wenn dein Körper in Qualen zu dir spricht.
Nur schwache Seelen werden gebrochen,
wenn er kommt, dann sei standhaft, wehrhaft,
ins Gegenteil wird er es verkehren,
deine Phantasie wird deine Waffe sein,
mit dieser kannst du dich erwehren.
Kleines Licht erlösche nicht,
kleines Licht sei stark und schlafe nicht,
kleines Licht widerstehe,
kleines Licht wehe
begib dich auf eine Reise zu dir selbst.
Was hast du mit Liebe erfahren? Wo und wie hast du sie erfahren?
Reflektiere, bevor du die falsche Meinung fällst,
philosophiere, studiere, und denk an die Gefahren.
Sei vernünftig kleines Licht, und erlösche nicht.
kleines Licht sei stark und schlafe nicht,
kleines Licht widerstehe,
kleines Licht wehe.
geschrieben von: Sara Leni Radzio

Sanssouci
Halte für einen Moment das Flügelblatt der Mühle an.
Aber sei niemals untätig.
Gehe immer mit wachem Geist und guter Seele voran.
Beschäftige dich mit dem, was dich kräftigt.
Nicht umsonst hat Friedrich der Große Sanssouci erbaut.
Von dessen Hügel man auf Weinreben und einen märchenhaften Park schaut.
Schon wenn du die Weinterrassen hinuntergehst,
erkennst du, dass du der Natur entgegengehst und in deren Kreislauf fortbestehst.
„Jeder kann nach seiner Fasson selig werden", sagte der Alte Fritz.
Sorge in der Welt für deinen eigenen himmlischen Sitz.
Fernab von Kriegen, Intrigen, fanatischem Glauben, schlechten Nachrichten und Morden, sei ohne Sorgen.
Alles ist vergänglich, auch unser Leben.
In der Ruhe der universellen Natur liegt der Segen.
Sanft regnet es von den Bäumen hinab, wie ein Blütenregen, inmitten goldener Herbstalleen.
Auf dessen Wegen wir, wie ein Hochzeitspaar, in Richtung eines Palasts streben.
Und unter einem glanzvollen Blau,
geben wir der Dichtung Raum,
schreiben alles ins Nichts, ins Himmelblau,
mit der Sehnsucht nach Freiheit, mit Ruhe im Anblick und Glück im grenzenlosen Vertrauen.
geschrieben von Sara Leni Radzio

Der heilige Martin
Trostlosigkeit übermannte den Bettler an der Stadtmauer.
Die Worte „Fürsorge" und „Mitmenschlichkeit" erfüllten ihn mit großer Trauer.
Der kalte Nebel legte sich auf die Lauer.
Unbeirrt bewegte er sich weiter, Zug um Zug, und das Spiel wurde rauer.
Keiner war sicher, weder König noch Bauer.
Die nasse, klamme Kälte zog auf seine Haut,
durch die Lumpenschicht und die löchrige Mütze auf seinem Haupt.
Das Klopfen seines Herzens wurde laut.
Zuerst wurden seine Hände und Füße taub.
Stechende Nadelstiche.
Waren die fehlenden Priester noch christliche?
War das Glockengeläut in seiner Fantasie schon das Winterliche?
Was würde er dafür geben, wenn die hoffnungslose Eiseskälte endlich wiche?
Sein Blick wurde zunehmend starr.
Die Welt um ihn herum war ein einziges Wirrwarr.
Aquilo, der Gott des Nordwinds, nahm ihm den letzten Atem. Er war sich nicht mehr sicher: Gab es das Christkind?
In den letzten Etappen sah er das römische Wappen.
All das Blaue verschwand unter rotem Samt,
Vom plötzlicher Schutz war er übermannt.
Ein strahlendes Schwerterblitzen,
ein kurzer Laut, ein Schlitzen.
Wer sitzt nun auf den himmlischen Sitzen?
Die Hoffnung und sein gutes Herz ließen ihn im lichten Schein fast schon wieder schwitzen.
Heruntergekommen von seinem Ross,
war der Mann, der Matinius hieß,
ein königlicher Krieger, der sich zu guten Taten entschloss
und den kalten Nebel, in seiner Stärke, sich selbst überließ.
geschrieben von: Sara Leni Radzio

Meditation
Erster Schnee des Jahres,
erst Weihnachtsmärkte bringen Wärmeres!
Es ist zu früh,
nur ein Müh.
Er bringt nachdenkliches,
bedeckt Farbe nachweislich,
so auch das buddhistische Kloster,
und den Komposter.
Der Drache, unter einer Decke,
das ihn ja niemand wecke,
die Taube zieht über das Pagodendach,
spürt im Innern die Kraft.
Und während alles gefriert,
sind die Mönche zentriert,
sie meditieren für Zufriedenheit und Genügsamkeit,
doch ihre Art gerät in Vergessenheit, in der Weihnachtszeit.
Verschlossen hinter Türen,
ist das Nirwana nicht weit,
auch uns hält es den Himmel bereit,
lassen wir uns nach ihrer Art führen.
Zündet eine Kerze an,
lasst Stille an eure Herzen ran,
lächelt in euch hinein,
lasst Liebe sein.
geschrieben von: Sara Leni Radzio

Weihnachtliche Lieder
Tausche Dunkelheit gegen Sonnenlicht,
weiße Kälte gegen Strände.
Ob es mir dann fehlt? Das Stubenlicht?
Wenn ich mich der heimatlichen Tradition etwas abwende?
Ist es die gleiche Vorweihnacht' im Herzen?
Oder muss ich etwas Stimmung verschmerzen? Noch schnell Sissi schauen.
Noch schnell die Krippe aufbauen.
Alles sollte vorbereitet sein, wenn ich wiederkomm' ,
im Süden, wie im Norden,
alles sollte geschmückt sein, wenn ich wiederkomm',
werde mir bis dahin Aphrodite borgen.
Ach, wie werde ich das Krippenspiel vermissen,
in den mediterranen Kulissen,
oder finde ich es genau dort wieder,
denn vom Festland kamen doch die weihnachtlichen Lieder.
geschrieben von: Sara Leni Radzio

Hinauf zum Kurion
Am Abend kämpft sich die Sonne durch die Wolken,
dennoch gilt es sich warm zu walken,
hinauf zum Kurion,
gegrüßt sei die Tochter Zion.
Ein altes Amphitheater am Meer,
man wandelt auf altgriechischen Pfaden umher, zu viele Fotos werden nicht geschossen,
die Emotionen werden gemäßigt genossen.
Ich betrachte den orangenen Himmel,
höre Gladiatoren Getrommel,
und mit der Ehrfurcht vor Höhe und Weite,
sehe ich eine Linie, die ich nicht überschreite.
Unser Wissen auf Erden ist begrenzt.
Wieviel Zeit und Mühe du auch verschenkst.
Bleibe daher dem Licht gehorsam,
mache so viel wie möglich langsam.
geschrieben von: Sara Leni Radzio

Die Facetten des Lichts
Das Licht hat viele Facetten,
in Dörfern und Städten.
Es malt immer wieder ein neues Stimmungsbild,
sichtbar und wild.
Ist es dunkel,
dann suche nach dem hellsten Punkt,
sei ein Stern und funkel,
zu jeder Stund.
Und schon bricht er auf, der Himmel,
nach Regenschauer.
Licht unterliegt deiner eigenen Formel,
die dunklen Wolken haben keine Dauer.
geschrieben von: Sara Leni Radzio

Auf der Sitzkiste
An der Reling eines Touristenboots,
stellvertretend, augenzwinkernd, nennt mich der Käpt'n „Deutschland" ,
an der Promenade zeigt er uns die wichtigsten Spots,
Licht scheint durch die Wolken, bald feiern wir die Geburt vom Heilland.
Stark weht der salzige Mittelmeerwind,
könnt ihr ihn auch hören und schmecken?
So wie die Hirten, die da knieten vor dem Kind,
eingekuschelt in euren Decken?
Am Meeresboden sieht man ein altes Schiffswrack,
Geschichte, die erinnert.
In Bethlehem, die Geburtskirche, ich schließe meinen Anorak,
es ist die Geschichte, die erinnert.
Kalt war nicht der imaginäre Schnee,
sondern der Wind von der See.
Mehrmals fragte mich der Käpt'n nach dem Schwimmen,
ich wollte aber an Bord bleiben, mit den Jüdinnen.
Wir beobachteten zusammen die Küste,
die Katze unter dem Restauranttische,
bis das Boot wieder den Hafen küsste.
Dann stiegen wir von der Sitzkiste.
geschrieben von: Sara Leni Radzio

Der Kormoran
Siehst du den Meerraben fliegen?
Den schwarzen Fluten entstiegen?
Wonach fischt er im Inneren der See?
Nach einem Schatz oder einer Idee?
Kehre in dich!
Versteh!
In der Schwärze ist ein Licht.
Es gibt niemanden, der im Dunkeln fischt.
Öffne deine Flügel für die Dunkelheit!
Wie der Kormoran.
Male eine Karte von jeder Einzelheit,
wachse daran.
Und landest du auf Eis,
tut die Kälte nicht mehr weh.
Es kommt immer wieder eine neue Idee.
Folge dem Zufall und jedem Hinweis.
geschrieben von: Sara Leni Radzio
Es gibt niemanden, der im Dunkeln fischt.
Öffne deine Flügel für die Dunkelheit!
Wie der Kormoran.
Male eine Karte von jeder Einzelheit,
wachse daran.
Und landest du auf Eis,
tut die Kälte nicht mehr weh.
Es kommt immer wieder eine neue Idee.
Folge dem Zufall und jedem Hinweis.
geschrieben von Sara Leni Radzio

Gaben
In einer Sonntagspredigt
wird viel gewürdigt:
Der Geist, das Leben, die Gaben.
Man hört Seelen, still lobsagen.
Dann ein Wort über die Normalität.
Hab ich mich verzählt?
Ist nicht jeder Mensch von Gott erwählt?
Wurde Goethe damals nicht mitgezählt?
Niemand ist normal.
Du nicht, er nicht, sie nicht, wir nicht, sie nicht, ihr nicht, noch nicht einmal ich.
Wir sind alle genial,
wir alle leuchten vom Licht.
Wir müssen es nur zulassen,
dürfen von unseren Interessen nicht ablassen,
können alle tief wie Herr Goethe graben,
und uns immer weiter vorwagen.
In der Dunkelheit entsteht Licht,
was uns Goethe mit der Aufklärung auftischt.
Im Licht entstehen Gaben.
Sie leuchten in unterschiedlichen Richtungen und Farben.
geschrieben von: Sara Leni Radzio (für Thomas M.)