
Sommergedichte

Das Besondere
Das Besondere liegt in einer Seebrise nach einem heißen Tag,
in einer grünen Blumenwiese, auf der man auf einer Picknickdecke lag.
Es liegt in den Abendlichtern und Stadtgeräuschen, die man vom Balkon vernommen hat,
in der Kirche mit ihren Lichtern, im Genuss der Gegenwart.
Das Besondere liegt im Finden, nicht im Suchen,
im Versuchen und im Verweilen statt im Entschwinden.
geschrieben von: Sara Leni Radzio

Schmetterlingstanz
Weiße Schmetterlinge schwirren einzeln, doppelt, dreifach in der Luft,
von der Wiese dringt ein letzter, süßer Sommerduft.
Die Schmetterlinge sind genau wie unsere Seelen,
die Weite ihrer Reise kann man nicht in Metern zählen.
Sie bleiben hier noch einen kurzen Moment
zu diesem letzten großen Sommerevent.
Und einzeln, doppelt, dreifach schwirren sie weiter,
von diesem Augenblick existiert kein zweiter.
Sie reisen leicht von Lebensgenuss zu Lebensgenuss,
fassen niemals einen festen Beschluss,
lassen sich bloß von Wind und Sonne treiben,
hin zu den schönsten Blumenweiden.
Lass dir von ihnen von der Ewigkeit erzählen,
dich als Zuhörer erwählen,
ganz still und ruhig unterm Sternenzelt,
in einer leichten, langsam tanzenden Welt.
geschrieben von: Sara Leni Radzio

Der Sieg der Sonne
Hellblauer Himmel,
leise Loungemusik,
im Pool und am Strand ein Getümmel,
die Urlaubsfreude ist der Sonne Sieg.
Keine Wolke traut sich in den Süden,
die müden Augen können sich ruhig schließen,
entspannt auf der Liege liegen –
Schluss mit dem Stress und dem sich Verbiegen.
geschrieben von: Sara Leni Radzio

Urlaubsstille
Zur Ruhe kommen, das Meer rauschen hören,
sich unter Palmen entspannt sonnen,
sich nicht über Vergangenes echauffieren –
der Körper braucht das,
die Seele braucht das:
ein wenig Stille,
Urlaubsstille.
geschrieben von: Sara Leni Radzio

Der weite Horizont
Sommerabendprogramm, Sommerabendlektüre,
wir gehen gemeinsam die Promenade entlang,
spürst du, wie ich sanft deine Hand berühre?
Du zitierst einen berühmten Dichter,
in deinem Land als weiser Mann bekannt.
Ich sehe lange auf die fernen Wasserlichter
und philosophier einfach so aus dem Stand.
Und so stehen wir zwischen Wasser, Himmel und Erde.
Ach, dass doch auf Erden nun Friede werde!
Der Horizont ist so unendlich weit,
doch zum langen Nachsinnen bleibt keine Zeit!
geschrieben von: Sara Leni Radzio

Sternschnuppenbahn
Der Tag dampft aus,
die Energie ist raus.
Ich lege mich hin und seh den Sternenhimmel,
dort oben ist ein einziges Gewimmel.
Die Zeit wird relativ,
kein Terminplan hängt mehr schief.
So schließe ich mich dem Universum an und ziehe eine Sternschnuppenbahn.
geschrieben von: Sara Leni Radzio

Berliner Freibäder
Die Kinder üben Sprünge vom Turm,
das Schwimmbecken ist überfüllt,
am Eingang laufen die Menschen Sturm,
in Taschen wird nach Geld gewühlt.
Ist es heiß und kommt die Sonne raus,
halten die Berliner es zuhaus nicht mehr aus.
Wo ist das Schild: „Wegen Überfüllung gesperrt"?
Es wäre jetzt wirklich Gold wert.
Statt ins Freibad zu gehen,
fährt man lieber an den Wannsee,
wo man herrlich schwimmen kann.
Damit erfüllt man sogleich das Klischee –
weißt du noch, wie das Lied klang?
Das vom See?
geschrieben von: Sara Leni Radzio

Sommerabend
Zitronengeranien ranken in den Abend hinein,
geschwängert vom Zirpen der Grillen.
Die Schwalben schwirren,
das Stadion bebt im Lichterschein.
Lasst uns die Nacht genießen,
etwas Gutes beschließen,
Ideen sammeln,
uns auf dem Balkon versammeln.
Sieh! Der Storch hebt sich aus seinem Nest,
bevor du Sternenbilder benennst.
Er bringt Glück und Segen,
manche glauben sogar,
er bringe Ungeborenen Leben.
geschrieben von: Sara Leni Radzio

Die Weißpohummel
Was ist sie lieber: bekannt oder unbekannt?
Friedlich fliegt der brummende Pummel
über Ringelblume, Enzian und Fliederbank.
Dabei macht sie einen Einkaufsbummel,
tut Nützliches im Licht der Sonne,
bewegt sich stets in der Kolonne
und veranstaltet auf dem Flieder einen Rummel.
Bäume erblühen und tragen Früchte,
ihr zu Dank,
dass man mehr und mehr züchte,
schätzt du sie, ist sie gern bekannt.
Hinsehen und die Natur verstehen,
mit ihr durch die Jahre gehen.
Reich mir eine Blume in voller Blütenpracht,
und sieh, wie sie auch am Ast erwacht!
geschrieben von: Sara Leni Radzio

Nächtlicher Friede
Die Hitze lässt Ratten über den Asphalt kriechen,
während sich die Mäuse in die Schatten verkriechen.
Mückenlarven entwickeln sich im brütenden Licht
und tyrannisieren uns später, Stich für Stich.
Katzen jagen Vögel bei Nacht,
gegen das Listige hält niemand Wacht.
Oder doch?
Denn der Mann im Mond schaut durch jedes Schlüsselloch.
Gute Nacht, sagt er, träume von Blumenwiesen statt von tierischem Lärm, von Frieden im Herzen, bleibe dem Hässlichen fern.
Gute Nacht, sagt er, träume von schöneren Dingen als von Mücken, die dich in den Schlaf singen.
geschrieben von: Sara Leni Radzio